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  Margrit Keller

Die Weite, 118 x 88 cm, 2013
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Margrit Keller
markellch@aol.com

wurde 1950 als Tochter des Textil-Seidenweberei Fabrikanten Albert Keller und dessen Frau Hilda Keller - Voser in Wetzikon, in der Schweiz geboren. Lebt und Arbeitet mit ihrem Lebensgefährten und Künstler Gustav Herbrich in München.

1970 Aufgewachsen und Schulausbildung in Kaltbrunn und St.Gallen, Schweiz

1971 Ausbildung Med. Techn. Laborantin

1977 Bildhauer Praktikum bei Werner Naef, Wattwil, Schweiz

1978 Steinlithografie Praktikum bei Karl Imhof, München

1979 - 84 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Prof. Jürgen Reipka

1985 Meisterschülerin - Diplom, 1. Atelier in München

1986 Fotodokumentation Sand und Erdstrukturen, Ägypten, Bilder- und Skulpturenzyklus - Sand, Erde, Asche

1989 - 92 Dozententätigkeit, Kunst und Gestaltung, München und Schweiz, Atelier im Kunstverein 0.K. 9

1994 Fotodokumentation- Spurensuche, lnkas , Mexiko, Mythologie der Inkas, Sandbilder - lnkas

1998 Computer - Fachausbildung


Zur Arbeit von Margrit Keller

Margrit Kellers bildhauerische Arbeit ist deshalb so besonders, weil ihre „Humanitas“ das sieht , was der Normalität verborgen bleibt, ihre Figuren zeigen die Anmut der Versenkung, ohne in Kitsch auszuarten. Der Unterschied zur Karikatur ist die Ehrlichkeit der Darstellung und dadurch werden die Menschen schön. Sie bezaubern durch eine merkwürdige Art des aufrechten Gangs, fast schwebend, und doch stehen sie fest im Strom.
Die Attitude anders sein zu sollen, haften den Figuren nicht an, denn sie sind bei uns, und das ist der Trost, den Margrit Keller uns zu geben vermag. Wir dürfen da eigentlich nicht vorbeigehen.


Gila Prast

Von nah, von fern
Margrit Keller - Arbeiten auf Leinwand und Papier

Es gibt Menschen, die steilen ihr Leben ganz bewusst unter kein bestimmtes Motto. Sind es Künstler, kommt man dadurch - wie im Falle der in München lebenden Schweizer Künstlerin Margrit Keller, deren Ausstellung ab 23. August in Bergdietikon zu sehen sein wird - in den Genuss wunderbar unverbrämt authentischer Bilder. Es sind Bilder, die bewegen ohne zu dirigieren, Bilder, die einen gerade durch ihre Offenheit stets unmittelbar faszinieren.

Die eigene Distanz auflieben zu können, das ist dabei wohl das Phänomen, das den Betrachter schon beim ersten Hinsehen in den Bannkreis von Margrit Kellers Bildern zieht. Scheinbar mühelos spannt die Künstlerin den Bogen vom Weitläufigen zum Konkreten, vom Sichtbaren zum Verborgenen und von der Phantasie wieder zurück zur Wirklichkeit. Man steht vor ihren Bildern und was sich begegnet, ist essentiell. Die Wahrnehmung - ein Wesensaspekt, die Kunst - ein Reflex; von nah, von fern, im eigenen selbst.

Wenn sich also etwas wie ein roter Faden durch Margrit Kellers Werk zieht, dann ist es ihre Ästhetik des Eigentlichen. Ihre Inspiration ist das Leichte des Inneren im Außen, ihre Motivik das Manifest sich Profil schaffender Gedanken. Vielfältig und divers präsentieren sich daher ihre Arbeiten, doch konsequent spricht ihre Malerei von einer Welt, die ihr Thema nicht der Beliebigkeit preisgibt. Nie wird der Zufall zur kapriziösen Größe, nie wird das Dasein banale Szenerie. Margrit Kellers Bilder fließen, aber sie zerfließen nicht. Den Raum vorausgesetzt, die Zeit außen vor, bedurften sie nicht erst des Rahmens, von dem sie stützend gehalten werden. Die "Leichtigkeit des Seins" eben ist nicht nur erträglich, sie ist tragbar - in aller Freude.

"Leben", das ist für die Künstlerin vor allem "Sensation in Farbe", und wer ihre Bilder betrachtet, kann darin den magischen Zauber des Lebendigen noch in ursprünglicher Reinform erleben. Mal kontrastreich farbig, mal luzide harmonisch; mal kraftvoll komponiert, mal spürbar reduziert. Nach eindeutig ausgewiesenen Farbflächen sowie klar aufgedrängten Perspektiven wird man in ihren Bildern jedoch vergeblich suchen, denn jede Eindeutigkeit, so Margrit Keller, entsteht immer ausnahmslos und nur durch das Gefühl - diesseits und jenseits der Leinwand. Anstelle direkter Anhalte und plakativer Blickfänger bieten ihre Arbeiten deshalb auch kongruente Landschaften der Sinnlichkeit. Symbole, Abstrakta, Lebenszeichen anderer Kulturen, Embleme eigener Erfahrung und Anleihen aus dem Fundus alter Weisheit wirken zudem kreativ in dieses Ensemble mit ein, und so entstehen jene für die Künstlerin typischen ausblickenden Einblicke in die Welt, in eine mitunter fremde Welt, die sich ihrer Mitteilung jedoch nicht länger verschließt. Ihr Geheimnis ist der Farbe nun teilnahmsvoll anvertraut, das Gefühl hat seine Optik gefunden.

Und: Der Nachhall des Bleibenden hält in Atem. Menschen, Gesichter, Panoramen, Natur, Meditation und Tiefenschau, die farbliche Präsenz sonst nur flüchtiger Gedanken bringt die eigenen Horizonte ins Schwingen. Jeder Schritt in den Himmel wird zum Schritt auf verbürgtem Boden. Immer wieder läßt die Malerin in ihren Bildern die stabilen Zonen der Transparenz sichtbar werden, und kurioserweise bildet in ihnen gerade der "Sand", der einem oftmals nur durch die Finger rinnt, die greifbare Struktur eines vielsagend festen Untergrunds. In besonderer Technik und mit verschiedenen Materialien läßt sie auf ihrer Leinwand stets erst eine reelle, sozusagen geerdete, Ausgangsbasis erstehen; formreiche Oberflächen, furchenbildende Schichten und grobkörnige Reliefs, durch die die Farben sich dann schließlich ihren Weg suchen. Der Untergrund ihrer Bilder ist somit immer Element. Mal haptisch erhaben, mal nur hauchdünn durchbrochen, aber eben niemals und in keinem Fall glatt. Denn: Glatt ist die Erde nur aus der Ferne, unter den Füßen aber in rauher Schönheit erst nah.

Sandra Papadopoulos